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Rechtliches

Die Panoramafreiheit

Geschrieben am 22. Februar 2010 von Sebastian | Bislang keine Kommentare

Alpenpanorama (Foto: bildtankstelle.de)

Alpenpanorama (Foto: bildtankstelle.de)

Die Panoramafreiheit – vermutlich eines der sieben Siegel der Fotografie. Ein Artikel auf Golem hat mich dazu angeregt, hier einen kurzen Beitrag zu verfassen. Thema war das Urteil des OLG Brandenburg, dass die Schlösser die zur Stiftung „Preusische Schlösser und Gärten“ gehören gewerblich fotografiert und verwertet werden dürfen – auch denn diese versuchte das durch eine entsprechende Passage in der Parkordnung zu verhindern. Das OLG kippt damit drei Urteile des Landgerichts Potsdam, die das Vorgehen der Stiftung für rechtens hielten. Da es sich hierbei jedoch noch nicht zwingend um das letzte Wort handelt (Revision ist zugelassen) will ich dazu nicht unnötige Worte verlieren.

Vielmehr möchte ich untersuchen, ob ich für meine Wenigkeit noch ruhig schlafen kann, wenn ich einen Berg oder gar eine Hütte abgelichtet und auf fotolia.de zum Verkauf angeboten habe. Gehen wir eines nach dem anderen vor.

Aber zunächst ein wichtiger Hinweis: es handelt sich nachfolgend in keinster Weise um eine rechtliche Beratung. Ich kann, darf und will keine Rechtsberatung anbieten und werde lediglich meine Laienhaften Gedankengänge hier festhalten. Egal war hier raus kommt – keiner kann und darf daraus einen Rechtsanspruch ableiten. Ich schreibe das hier alles ohne jedliche Gewähr. Hoffentlich hat das jetzt jeder verstanden…und ich meiner rechtlichen Absicherung genug getan.

Definition der Panoramafreiheit

Als Web 2.0 geprägter Mensch wollte ich heute mal nicht direkt zu Wikipedia, bin aber auf der Suche nach einer Definition nur dort fündig geworden:

„Unter Panoramafreiheit (oder auch Straßenbildfreiheit) versteht man die Freiheit, urheberrechtlich geschützte Gegenstände (z. B. Kunstobjekte oder Gebäude), die von öffentlichen Verkehrswegen aus zu sehen sind, bildlich wiedergeben zu dürfen. Dies betrifft sowohl das bloße Anfertigen etwa einer Fotografie als auch ihre Veröffentlichung.“

Die Definition basiert dabei natürlich auf einigen Gesetzestexten. In diesem Fall ist es das Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte. Dort steht geschrieben:

§ 59 UrhG – Werke an öffentlichen Plätzen
„(1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Grafik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.“
„(2) Die Vervielfältigungen dürfen nicht an einem Bauwerk vorgenommen werden.“

Die Panoramafreiheit in der Bergfotografie

So, die schönsten Panoramen gibt es jetzt ja bekanntlich in den Bergen. Doch darf ich diese jetzt einfach so fotografieren und verkaufen? Gar nicht so einfach? Naja, ich glaube es geht:

  • Berge sind schon mal nicht urheberrechtlich geschützt – hat ja keiner gemacht, der auf Erden verweilt oder einen Anspruch auf die Verwertungsrechte geltent machen würde.
  • öffentliche Verkehrswege sind ja eigentlich alle Wanderwege, vor allem wenn diese irgendwo beschrieben sind. Auch wenn es dabei mal durch Privatbesitz geht, ist laut Wikipedia kein Problem zu erwarten, da es um die öffentlich zugänglichen Wege geht.
  • Fotografie ist die Kunst der Erstellung eines Lichtbildes, auch wenn es bisweilen auf einen digitalen Sensor statt einem klassischen Film gebannt wird. Hier wäre ich mir jedoch noch am wenigsten sicher.
  • das in Deutschland zudem erforderliche Kriterium „bleibend“ ist vermutlich nicht erklärungswürdig. Auch wenn es manchmal den Anschein macht, der Gipfel würde sich von einem weg bewegen – das ist subjektiv ;-). Ein Berg ist nichts vorübergehendes, doch recht immobil und meist auch recht beständig.

Das rechtlich einwandfreie Bergpanorama

Ich für meinen Teil werde also weiterhin die Landschaft einfach so ablichten. Es erscheint mir nicht nur äußerst legitim sondern auch so richtig legal zu sein. Bergpanoramen erfüllen denke ich alle Kriterien, die es zu erfüllen gibt. Und ohnehin zählt der erste Punkt am meisten: kein Urheberrecht von irgendwem darauf – zumindest von keinem Erdenbürger.

Und was ist mit der Hütte? Zählt da die Panoramafreiheit?

Hütte in den Alpen (Foto: bildtankstelle.de)

Hütte in den Alpen (Foto: bildtankstelle.de)

Da ist doch noch was…diese Hütten. Man bekommt etwas zu essen, dass meist nicht nur wegen dem Hunger lecker ist. Man kann dort schlafen. Und man kann sie fotografieren. So schön idyllisch. So bergromantisch. Doch hey halt – darf ich das? Da war ja ein Architekt oder so etwas am Werk, hat diese geplant und gestaltet. Was ist denn jetzt damit? Ich schätze: so lange man draußen bleibt ist alles klar:

  • frei zugängliche, also öffentliche Wege
  • die Hütte ist keine schnell vergängliche Sache – zumindest nicht darauf ausgelegt

Damit sollte es problemlos möglich sein, diese zu fotografieren. Aber Achtung: Wenn ist Abs. 2 richtig deute, dann darf man erst zu Hause oder mindestens mit Sicherheitsabstand Abzüge davon machen. Das geht aber wohl eher gegen die Touristen- und Asiaten-„Freunde“, die diese vor verklärt romantischen Hütten neben einem rosa Dirndl für 16,75€ zzgl. MwSt gerne ablichten. Denn welcher Bergfotograf bring seinen Fotodrucker oder Labor gleich auch noch mit auf den Berg?

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