Hüttenschlafsack: Seide oder Baumwolle?
Geschrieben am 22. August 2011 von Sebastian Staendecke.
Wer auf Hüttentour geht, packt allerlei in seinen Rucksack. Darunter ist stets auch ein Hüttenschlafsack – schließlich darf man ohne diesen nicht unter die bekannten DAV-Hüttendecken krabbeln und friedlich schlummern. Man kommt um diesen Ausrüstungsgegenstand also nicht herum – hat aber gute Wahlmöglichkeiten.
Und nun bin ich umgestiegen – vor etwa einem Jahr schon. Nein, nicht beim Stromanbieter, nicht von Nikon zu Canon und auch nicht auf Vollformat. Lediglich beim Hüttenschlafsack – konkreter beim Material. Statt Baumwolle ist die Seide jetzt meine bevorzugte Wahl. Ich verrate warum.
Aufgabe des Hüttenschlafsacks
Wenn man sich Gedanken über den richtigen Ausrüstungsgegenstand macht, dann erstellt man ein Anforderungsprofil. Dies ist im Falle eines Hüttenschlafsackes bei den Kernfunktionalitäten recht einfach:
- er ist vom Hüttenwirt als Hüttenschlafsack akzeptiert, was nach meiner Erfahrung noch nie Probleme gemacht hat
- er bietet den notwendigen Komfort, was für den normalen Berg-Touristen nicht sonderlich hohe Standards erfordert
Es ist wie es wirkt: ein Hüttenschlafsack ist technologisch gesehen eines der weniger anspruchsvollen Ausrüstungsgegenstände im Rucksack. Es ist halt erforderlich wie eine Zahnbürste – er entscheidet aber nicht über Leben oder Tod. Es ist und bleibt ein Sack aus Stoff, der aus hygienischen Gründen zwischen uns schmuddeligen Berggängern und den sauberen Decken im Hüttenlager geschlupft wird. Einfach aber effektiv: jeder behält seine eigenen Flöhe
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Gewicht und Packmaß als „Funktion“ des Hüttenschlafsacks
Für diese Funktion ist es weitgehend egal aus welchem Material ein Hüttenschlafsack ist. Somit kann man bei der Materialwahl weitere Anforderungen mit auf den Plan rufen. Und dies sind dann vor allem die folgenden:
- Wie robust ist das Material?
- Wie groß ist das Packmaß?
- Wie schwer ist das Material?
- Welche sonstigen Eigenschaften hat das Material?
Zur Robustheit kann ich bislang nur sagen: ich bin überrascht, wie strapazierfähig mein Cocoon Seidenschlafsack ist. Er hat bereits eine ganze Reihe von Nächten hinter sich und ich habe so manches mal die Grenzen des Schlafsacks ausgelotet, sprich mit den Beinen diesen bis zum Anschlag gespannt. So langsam verstehe ich, warum Seide als die stärkste bekannte Naturfaser gilt: bislang hat er dies alles unbeschadet überlebt. Mehr dazu schreibe ich in meinem kleinen „Test zum Cocoon Mummy Silk Hüttenschlafsack“ (folge in den nächsten Tagen).
Seiden-Hüttenschlafsack: klein und leicht
Vergleicht man den Hüttenschlafsack aus Seide mit einem Kollegen aus Baumwolle, braucht man wenig Sachverstand um zu erkennen: die Seiden-Tüten sind weitaus leichter und kompakter im Packmaß. Und zwar nicht nur so ein wenig, sondern ganz ordentlich.
Dies zeigt auch mein Vergleich eines Baumwoll-Hüttenschlafsacks (hier von Mammut) und eines Seiden Schlafsacks (hier Cocoon MummyLiner Silk). Während der Baumwollkandidat über ein halbes Kilo Gewicht auf die Wage bringt (genauer: 520 Gramm incl. Packbeutel) kann er Seiden-Schlafsack mit nur 123 Gramm punkten. Das ist weniger als ein Viertes des Gewichts.
Legt man die beiden Hüttenschlafsäcke nebeneinander, braucht es eigentlich keine weiteren Erläuterungen zum Packmaß: der Hüttenschlafsack aus Seide braucht geschätzt nicht einmal ein Drittel des Packmaßes als die Baumwoll-Variante.
Überlegt man, wie sehr man sich bei der Auswahl der Ausrüstung sonst mühen und zu höheren Investitionen überreden muss, bis man rund 400 Gramm gespart hat, wird deutlich wie einfach das durch einen Hüttenschlafsack aus Seide wird. Beim Packmaß verhält es sich genauso. Hier kann der Seiden-Hüttenschlafsack klar seine Überlegenheit zeigen.
Weitere Eigenschaften von Seide als Material für den Hüttenschlafsack
Seide ist ein Material, das herausragende Eigenschaften hat. Einige möchte ich nennen – ich habe sie vor allem aus dem Internet recherchiert:
- Seide kann etwas 30% des eigenen Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen (Baumwolle im Vergleich nur etwa 8 bis 9%)
- Seide ist die robusteste bekannte Naturfaser, wohl auch bedingt durch die hohe Elastizität. Man kann lesen, dass die Faser so robust wie ein gleich dicker Stahldraht ist.
- die temperaturausgleichenden Eigenschaften sind herausragen – sie kühlt bei Wärme und isoliert bei Kälte
- Seide ist sehr formbeständig, was ein Vor- und ein Nachteil ist: zwar dauert es, bis die Sache mal richtig knittert – dann ist der Knick aber auch wieder schwer raus zu bekommen. Aber es ist ja ein Schlafsack und keine Krawatte – da ist mir das egal
Und eines ist noch selbstverständlich: Seide ist superangenehm auf der Haut. Ich habe es mir so manches mal überlegt, ob ich wirklich lange Funktionswäsche für die Nacht brauche, oder nicht.
Mein Fazit: Hüttenschlafsäcke aus Seide haben die Nase vorne
Wir haben schon einige Unterschiede kennengelernt. Das Preisthema wurde bislang nicht angesprochen. Wie jeder weiß: im Vergleich zu Baumwolle ist Seide das hochwertigere und weitaus teurere Material. Im Preis des Hüttenschlafsacks macht sich das durchaus bemerkbar. Offensichtlich wird dies, wenn man zwei baugleiche Schlafsäcke eines Herstellers vergleicht:
| Hüttenschlafsack (Material) | Gewicht | Preis |
| Cocoon MummyLiner Cotton (Baumwolle) | 340 Gramm | 19,95€ |
| Cocoon MummyLiner Silk (Seide) | 135 Gramm | 59,95€ (aktueller Aktionspreis: 47,94€ !) |
| Unterschied | 205 Gramm | 40,00€ |
Fassen wir die Vor- und Nachteile eines Seiden-Hüttenschlafsackes nochmal zusammenfassen:
- nur etwa 25 bis 35% des Packmaßes
- nur etwa ein Viertel des Gewichtes
- mind. ausreichende Robustheit des Seidenstoffes
- ausgezeichneter Schlafkomfort und Gefühl auf der Haut
- höherer Preis
Angesichts dessen lautet mein Fazit: ich würde immer wieder die etwas höheren Kosten für einen Hüttenschlafsack aus Seide in Kauf nehmen. Die dadurch realisierten Vorteile rechtfertigen die Mehrkosten in meinen Augen bei weitem. Das gesparte Gewicht und Rucksackvolumen verwende ich lieber für ein weiteres (kleines) Objektiv. Oder ich spare es mir einfach ganz und gehe etwas leichtfüssiger durch die Alpen
Ich greife zur Seide!






















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