Der Weißabgleich: Grundlagen
Geschrieben am 25. Januar 2010 von Sebastian Staendecke.
Eine weiße Wand muss nicht weiß aussehen – das hat jeder Fotograf schon einmal erleben dürfen. Die schöne Wand, sie ist so rotstichig als hätte jemand ein Lagerfeuer davor angefacht. Aber sie war doch weiß, ich habe es mit den eigenen Augen gesehen.
Richtig, sie ist weiß. Doch während unser Auge bzw. Hirn sich automatisch auf unterschiedliche Farbtemperaturen einstellt (die sog. chromatische Adaption), muss eine Kamera erst dazu angewiesen werden. Passiert das nicht, hat man unter Umständen keine realistisch dargestellten Farben.
Was bedeutet Farbtemperatur?
Die Farbtemperatur ist ein Ausdruck für den Farbeindruck einer Lichtquelle. Der pyhsikalische Zusammenhang zwischen Farbwahrnehmung und Temperatur wird in einem Beitrag auf filmscanner.info beschrieben. Die Einheit der Farbtemperatur ist Kelvin (K). Die nachfolgenden typischen Werte zeigen die immense Spannweite:
- Kerze: etwa 1.500 K
- Glühlampe: etwa 2.800 K
- Leuchtstoffröhre: etwa 4.000 K
- Blitzgerät: etwa 5.600 K
- Tageslicht: etwa 5.600 K
- Blaue Stunde: etwa 10.000 K
Und was ist jetzt der Weißabgleich?
Der Weißabgleich ist eine Methode um die Kamera (egal ob Foto oder Video) auf die anzutreffende Farbtemperatur einzustellen. Erfolgt dies nicht, ergeben sich auf Grund der fehlenden Berücksichtigung mehr oder minder massive Farbverschiebungen. Den Weißabgleich einzustellen bedeutet als nichts mehr als der Kamera zu sagen, welches Licht bzw. welche Farbtemperatur abgelichtet wird.
Man könnte vereinfacht sagen: der Weißabgleich ist in gewisser Weise eine Art Farbfilter. Dieser filtert genau die Farbanteile heraus, die durch die Farbtemperatur bedingt verstärkt wirken. Bei Glühlampen werden folglich die Rotanteile abgedämpft.
Umgekehrt können Motive durch den Einsatz des Weißabgleiches unterschiedlich „eingefärbt“ werden. Nimmt man hierzu ein Bild im RAW-Format auf und stellt in der digitalen Ausbelichtung unterschiedliche Farbtemperaturen/Weißabgleich ein, so sieht man diesen Effekt recht deutlich.
Kritisch: Mischlicht
Weiß man wie das geht, ist es recht einfach umzusetzen. Vorausgesetzt es handelt sich um ein Motiv mit einheitlicher Lichtquelle und damit Farbtemperatur. Situationen in denen dies nicht der Fall ist können beispielsweise sein:
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leichte Mischlicht-Situation (Bild: m. wolf via pixelio)
Einsatz des Blitzgerätes, wenn kein (Norm-) Tageslicht vorhanden ist
- Aufnahme eines Raumes in dem sowohl Glühbirnen als auch Leuchtstoffröhren anzutreffen sind
- Aufnahme eines Panoramas mit einer beleuchteten Ortschaft und hellem Mondschein
Trift man eine solche sog. Mischlichtsituation an, gibt es nur noch Kompromisse. Stelle ich den Weißabgleich auf Glühlampen an, so wirken alle Bereiche mit den Leuchtstoffröhren blaustichig und kalt. Hier hilft es oft nur sich auf ein Bauchgefühl respektive Erfahrungswerte zu verlassen.
Mein zusätzlicher Tipp: spätestens hier sollte dann das RAW-Format zur Verarbeitung und Speicherung der Photos angewendet werden. Dabei wird der Weißabgleich nicht mit dem Bild verrechnet und kann später am Bild ohne Verluste des Dynamikumfangs variiert werden. Man schafft sich also mehr Potenzial für spätere Schritte.
Momentchen…die Wand soll doch rot bleiben
Es gibt Situationen, in denen der bewusste Farbstich ein wichtiges Stilelement ist. Man stelle sich ein Bild des romantischen Dinners vor – perfekt in den wirklichen Farben wiedergegeben. Kein roter Schein der Kerzen taucht das Motiv in eine besinnliche Atmosphäre. Alles wirkt, als wäre es bei Tageslicht aufgenommen worden. Nein, das ist kein gelungenes Photo.
Das Beispiel zeigt, dass es nicht immer auf die perfekte Farbwiedergabe ankommt. Vielmehr sollte der Weißabgleich gezielt als Gestaltungselement eingesetzt werden. Denn nur so gelingt es das verliebte Paar beim Dinner auch in ein intim-rötliches Licht zu tauchen. Besonders wichtig ist dies, wenn bereits unser Auge die Farbtemperatur nichtmehr vollständig heraus rechnet und die Situation im Kerzenlicht rötlich erscheint.
Und wie finde ich den optimalen Weißabgleich?
Diese Frage möchte ich in einem eigenen Beitrag beleuchten. In diesem werden sodann die verschiedenen Möglichkeiten vorgestellt – von vollautomatischem über halbautomatischen bis hin zu manuellem Abgleich. Zudem die frei Wahl der anzunehmenden Kelvin, die beispielsweise in der Nikon D200 oder D300 möglich ist.































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