Test: Icebreaker Bodyfit 200 Contour Crewe

Geschrieben am 28. August 2010 von Sebastian Staendecke. Dieser Artikel ist ein(e) Produkt- & Praxistest (Test).

Icebreaker Bodyfit 200

Icebreaker Bodyfit 200

Icebreaker ist einer der bekanntesten Hersteller für Funktionswäsche aus Merino. Nachdem ich mit meinem langen Merino-Beinkleid sehr zufrieden bin, habe ich mir unmittelbar nach der Icebreaker-Einführung bei den Bergfreunden ein Icebreaker Bodyfit 200 Contour Crewe geleistet. Der erste Härtetest wurde auf einer Hochtour im Ötztal durchgeführt.

Infos zum Icebreaker Bodyfit 200 Contour Crewe

Die Bodyfit-Reihe von Icebreaker ist die Standardlinie und für die üblichen Anwendungsbereich mehr als ausreichend. Mit 200g/qm ist das Shirt mit einer mittleren Stärke zu bewerten und entsprechend bereits etwas wärmend. Es kann wahlweise als Baselayer, als kurzärmlige Isolationsschicht oder auch als einzelnes T-Shirt getragen werden. Ich habe alle Varianten ausprobiert und versucht das Shirt an sein Limit zu bringen.

Das Shirt punktet in der Verarbeitung vor allem mit drei Eigenschaften

  • Raglanschnitt + Flachnähte = Rucksacktauglich

    Raglanschnitt + Flachnähte = Rucksacktauglich

    Es wurde 100% Merinowolle verarbeitet. Es ist nicht wie an anderen Stellen anzutreffen eine Mischung aus Merino und anderen Fasern, sondern vollständig aus der Naturfaser hergestellt.

  • Der Raglanschnitt optimiert den Tragekomfort und die Rucksacktaglichkeit. Es wurden keine klassisch eingesetzten Ärmel genommen, sondern diese direkt am Kragen angesetzt. Somit verläuft auf der Schulter keine Naht, was auch bei Rucksackträgern Druck- und Reibestellen vermeidet.
  • Die etwas aufwändigere Flachnahtverarbeitung ist für mich ein klarer Pluspunkt. Im ganzen Testzeitraum war kein reiben der Nähte zu spüren…so wie es sein soll.

Icebreaker Merino: zwei unglaubliche Versprechen

Icebreaker ist von der Merinofaser sehr überzeugt. Neben der guten Atmungsaktivität vor allem zwei Dinge versprochen, die das Naturprodukt den künstlichen Fasern voraus haben soll:

  1. Auch im feuchtem Zustand soll die Merino-Funktionswäsche noch gut isolieren
  2. Auch wenn man ausgedehnt in Merino hineinschwitzt und diese tagelang trägt: sie soll nicht stinken und bleibt geruchsneutral

Beide Versprechen wollte ich testen und habe die Faser herausgefordert. Von meiner Funktionswäsche aus Kunstfaser bin ich zwar gewohnt, dass die Funktion gut ist – das olfaktorische Erlebnis jedoch nach kurzer Zeit eher für das Gruselkabinett geeignet ist. Und wenn es nass ist, kann man meist nur hoffen, dass es bald trocken wird – eher ist es nicht wieder angenehm.

Merino ist wirklich geruchsneutral

Ich habe das Bodyfit 200 während der gesamten Tour angehabt – Tag und Nacht. Dem gingen noch drei Bürotage voraus. Das Ergebnis: auf der Hütte keine angewiederten Gesichter, wenn ich mich umzog, nachts durfte ich weiter mit der Outdoor Prinzessin kuscheln und auch am Montag danach war im Büro keiner auf Distanz.

Trotz Schweiß kein Geruch...

Trotz Schweiß kein Geruch...

Tatsächlich konnte ich auch bei aggressivem Einsatz meines Riechgeräts an besonders gefährdeten Stellen keinen Geruch feststellen. Ich würde sagen, dieser Test wurde bestanden – Merinowolle schafft es auch bei langem und schweißtreibenden Einsatz nicht zu stinken. Bei den Bergfreunden haben sich Leute gemeldet, die Shirts 12 Tage an hatten und noch immer soll nichts gerochen haben. Kein Wunder, dass auch genötigte weibliche Nasen an meinen Shirt nichts entdecken konnten – obwohl ich wirklich mein bestes gegeben habe…

Isolation von Merino im feuchtem Zustand

…und richtig Schweiß in das Shirt gepackt habe. Schließlich wollte ich ja wissen, wie sich die Faser im vollgeschwitzten Zustand anfühlt. Also packte ich mich trotz gutem Wetter in ein dickes Polartec Fleece, schnallte den Rucksack mit minimalen Belüftungssystem auf den Buckel, stieg rund 500 Höhenmeter zur Breslauer Hütte auf und flösste mir in dieser Zeit rund zwei Liter Wasser aus dem Camelbak Trinksystem ein. Wer da nicht schwitzt ist krank – ich war es nicht.

Durchgeschwitztes Icebreaker Merino Shirt

Durchgeschwitztes Icebreaker Merino Shirt

In der Hütte zeigte sich dann das Ergebnis: das Fleece konnte wegen dem enganliegenden Rucksack die Feuchtigkeit nicht weiter abtransportieren und das Merino Shirt war vollgesogen. Bislang war mir das aber nicht aufgefallen – das Shirt trug sich auch tropfnass noch angenehm. Ergo: in Aktivphasen ist das Shirt auch vollgesogen nicht unangenehm oder kalt.

In der Hütte kühlte ich dann schnell ab und es ging auf gut 2800 Metern dann auch ein kühles Lüftchen. Dennoch fühlte sich das Shirt immer nur für einen Moment kühl an, wenn es von der Haut abgezogen wurde und dann wieder aufklatschte. Es störte mich jedoch nie so sehr, dass ich es ausgezogen hätte – denn obwohl es nass war, schien es nicht auszukühlen sondern eher etwas zu wärmen. War ich einfach nur dem Icebreaker-Versprechen aufgesessen? Ich glaube nicht ganz daran…auch wenn es wohl ein subjektiver Wert bleibt.

Zu meiner Überraschung war es dann auch recht schnell wieder abgetrocknet. Oder einfach nur noch so viel Feuchtigkeit zurückgeblieben, dass es sich nicht mehr nass anfühlte. Denn Wolle, auch Merinowolle, kann ungefähr 30 bis 40% des eigenen Gewichts an Wasser aufnehmen ohne sich feucht anzufühlen. Gefühlt hat das Merinoshirt in diesen Punkte die mir bekannten Kunstfaser-Shirts in die Tasche gesteckt.

Weitere Eindrücke des Icebreaker Bodyfit 200 Contour Crewe

Nachdem ich die beiden Versprechen von Icebreaker schon mal nicht wiederlegen konnte (im Gegenteil), möchte ich noch ein paar weitere Punkte erwähnen, die mir aufgefallen sind:

  • Obwohl ich die Rucksackträger an Tag zwei und drei auch direkt auf das Merino Shirt legte, konnt ich in dieser (kurzen) Zeit keine Abnutzung erkennen. Dennoch sollte man damit rechnen, dass Merinowolle etwas empfindlicher ist als die Mehrheit der Kunstfasern…
  • Der Schnitt von Icebreaker ist wie für mich gemacht, sprich für schmale Personen sehr gut geeignet. Smartwool mag Produkte in ähnlicher Art und Qualität anbieten – an mir schlabbert dies. Hier sollte also jeder selbst sehen, was ihm besser passt.
  • Am zweiten Tag habe ich das Merinoteil mit einem Kunstfaser-Longsleve kombiniert und war von dieser Combo begeistert. Dazu aber in einem späteren Beitrag mehr.
  • Der Tragekomfort des Merino-Shirts war von Beginn an sehr gut. Kein kratzen, quasi kein Jucken und das bereits ohne waschen. Die Wollwäsche der Oma kann da nicht mehr mithalten…

Mein Fazit des Praxistest des Icebreaker Bodyfit 200

Ich habe das Shirt, die Merinofaser und auch mich herausgefordert. Am Kleidungsstück habe ich dabei nichts negatives entdecken können. Sogar die Versprechen von Icebreaker kann ich bestätigen: hoher Tragekomfort, gute Isolationseigenschaften auch bei feuchtem Stoff und keine Geruchsbildung.

Habe ich die Wahl, werde ich künftig immer zum Merino greifen. Auf Grund des für mich passenden Schnitts und der hohen Qualität sehr gerne auch wieder zu Icebreaker. Lediglich der Preis mag etwas abschreckend wirken – immerhin fast 60€ kostet das kurzärmelige Contoure Crewe Shirt. Ich wäre auch nach diesem Test bereit diesen Preis zu zahlen!

Wer lieber ein langärmeliges Shirt möchte, findet in der Bodyfit-Reihe ebenfalls das passende Shirt. Auch aktive Damen müssen auf die hochwertigen Merino-Wäsche nicht verzichten und finden eine schöne Auswahl!

Wer etwas sportlichere Modelle sucht, findet mit der GT Linie eine Auswahl an Merino-Wäche, die mit einem geringen Anteil an Lycra. Diese liegen noch enger am Körper an und haben ein sportlicheres Design.

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