Kletterset: Ocun Twist-Set
Geschrieben am 5. April 2010 von Sebastian Staendecke.
Mein ehemaliger Mitstudent Christian (heute stolzer Inhaber von Sprachrohr) ist nun auch dem Kletterfieber verfallen. Auf der Suche nach einer soliden Grundausstattung für seine ersten Gehversuche mit eigenem Equipment ist er auf das Ocun Twist-Set gestoßen. Mit unter 85€ ist es preislich natürlich sehr interessant und so wollte er wissen, was ich davon halte. Ein Review zum Set möchte ich hier für Christian, aber eben auch der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Vollständigkeit des Kletterset “Ocun Twist-Set”
Ein Kletterset wie das Twist-Set soll einem Einsteiger die Möglichkeit geben schnell und günstig das wichtigste für die ersten Schritte am Fels oder in der Halle zu bekommen.Traditionell sind keine Kletterschuhe enthalten, da diese sehr individuell ausgesucht werden müssen.
Das Ocun Twist-Set besteht auf den folgenden Komponenten:
- Klettergurt: Ocun Ceptor Hüftgurt (45,95 €)
- HMS-Karabiner
- Tube
- Chalkbag mit Clip-Gürtel
Ocun Ceptor Hüftgurt als zentrales Element
Das wichtigste Element eines solchen Klettersets ist immer der enthaltene Klettergurt. Das hat im wesentlichen zwei Gründe:
- auch beim Twist-Set wird der größte Teil des Preises für den Gurt fällig…immerhin rund 46,-€ der 85,-€ wären fällig.
- der Gurt bleibt lange Zeit zentrales Bestandteil der eigenen Ausrüstung

Ocun Zeptor Klettergurt
Den Ocun Ceptor kenne ich seit einigen Jahren – auch weil Oliver von der chaoSpektive diesen als absoluten Preis-Leistungs-Hammer für seinen Gruppenangebote angeschafft hat. In meinen Augen handelt es sich um einen soliden Klettergurt, der vor allem sehr leicht ist – nicht einmal 500Gramm werden fällig. Gepaart mit seinen eher schmalen Schlaufen und der dezenten Polsterung stört er den Träger nicht, wenn dieser klettert oder beispielsweise im Klettersteig unterwegs ist. Der Kehrseite der Medallie ist natürlich, dass er damit weniger komfortabel für lange Hängepartien ist. Für das sportklettertypische “auschecken” von Routen ist er damit nur bedingt geeignet…sicher ist er aber natürlich dennoch.
Die übrigen Ausstattungsmerkmale des Ocun Ceptor im Überblick:
- eine einzelne Schnalle zum zurückfädeln ist nicht mehr meine erste Wahl, seit ich die Handling-Vorteile von zwei Schnallen kenne – das ist aber persönliche Geschmackssache und soll kein Ausschlusskriterium sein
- Die Beinschlaufen lassen sich für meinen Geschmack nicht sehr fix verstellen – leichter Punktabzug gegenüber komfortablen Doubleback-Schnallen.
- die farblich abgehobene Aufhängung der Anseilschlaufe (in gelb) ist ein verlässlicher Indikator für die Abnutzung dieser meist am stärksten beanspruchten Stelle – ein Pluspunkt
- die vier Materialschlaufen sind sehr einfach gehalten – sie verrichten ihren Dienst, bieten ausreichend Platz…sind jedoch nicht ansymmetrisch geformt und eher mit zwei bis maximal drei von 5 Punkten zu beurteilen.
- die deutliche Anbringung des Markenlogos (bei den neueren Gurten dick und fett auf der Beinschlaufe) ist absolut nicht sicherheitsrelevant – lediglich persönliche Geschmackssache
- drei Größen, die jedoch jeweils rechts flexibel einzusetzen sind…hier mag ich kein Urteil treffen….
Denke ich kurz an Olivers Sammlung von Zeptors, dann fällt mir ein, dass diese zwar ordentlich beansprucht werden, bislang jedoch keine relevanten Verschleissspuren aufweisen. Lediglich vereinzelte Schnallen für die hinteren Gummizüge der Beinschlaufen sind wohl bereits gebrochen – diese können jedoch ersetzt werden, soweit man an das Ersatzteil heran kommt.
In Summe kann man also sagen: ein wirklicher Preis-Leistungs-Schlager, der sich nicht verstecken muss. Er ist solides Mittelfeld, bietet alle notwendigen Ausstattungsmerkmale aber halt auch wenig Luxus. Für Einsteiger und Gelegenheitsalpinisten sicher ein guter Kauf. Für Leute, die schneller höher hinaus wollen würde ich dann doch ein paar Euro mehr empfehlen und beispielsweise einen fantastischen Petzl Corax für gerade einmal 10€ mehr bestellen.
Ein Tube als Teil des Ocun Twist-Set
Immer üblicher wird es bei Klettersets für Einsteiger einen Tube mit zu liefern. Das ist natürlich kein dummer Gedanke, bieten doch die Tubes weniger Potenzial für Kletterseile im Telefonkabel-Look. Und so hat sich Ocun nicht lumpen lassen und einen Tube mit reingepackt. Genauer gesagt
Christian merkte gleich an, dass er doch viel lieber ein ATC oder Tube mit Rillen hätte. Gerade Anfänger neigen dazu die gesteigerte Bremsleistung dieser Vertreter zu überschätzen. Ich selbst verwende, quasi historisch gewachsen, seit Jahren einen einfach Tube ohne Rillen und möchte gar nicht mehr Bremsleistung. Abhängig vom Seildurchmesser und dem Gewicht des Kletterpartners bin ich ohnehin schon dabei Seil nachzuschieben, wenn die Leute abgelassen werden sollen.
Nun könnte man sich gleich noch überlegen ob man denn wirklich einen Tube braucht oder nicht. Die Sicherung per HMS ist genauso effektiv, billiger und sollte ohnehin von jedem beherrscht werden. Später möchte man dann vielleicht doch lieber einen ausgewachsenen Sicherungsautomaten wie das Petzl GriGri oder ein Click Up.
Mir wäre ein Abseilachter ehrlich gesagt weitaus lieber – den kann man für die Sicherung genauso verwenden und vor allem Anfänger seilen damit auch leichter ab. Aber weil er schon mal dabei ist, nimmt man den Tube halt mit…bevor wir uns schlagen lassen.
Chalkbag, Chalk und Karabiner
Abgerundet wird das Set durch drei weitere Teile:
- Chalkbag incl. Gürtel – in meinen Augen ein low Interesst-Product, dass man sich später irgendwann aus Lust und Laune durch ein Teil ersetzt, dass einem in seiner Gesamterscheinung gefällt. Für Anfänger sollte es aber weitgehend egal sein, was für ein Teil es ist – es sei denn sie haben rießige Hände und kommen in eine normale Öffnung nicht gut hinein.
- Der Chalk wird von Ocun mit Sicherheit irgendwoher zugekauft. Angesichts der geringen Preise dieses Verbrauchsgutes sollte man sich hier aber nicht Gedanken machen…für die ersten theatralischen Staubwolken reicht es allemal.
- Der mitgelieferte Karabiner sollte ein HMS sein, dessen Verschluss gut läuft. Das ist am Anfang meist der Fall…und ein Karabiner bekommt in Kürze meist Geschwister.
Fazit zum Kletterset Ocun Twist-Set
Es ist günstig, doch der Preis lässt auch vermuten, dass man kein Highlight moderner Bergsportausrüstung bekommt. Der Gurt wurde bereits angesprochen und alles weitere ist mehr oder minder fix ersetzt. Ich persönlich würde mir immer die Mühe machen, mein Set selbst zusammenzustellen. Einen eigenen Artikel bereite ich gerade dazu vor.
Für Anfänger oder Gelegenheitskletterer steht jedoch nichts im Raum, dass mich veranlassen würde von einem Kauf deutlich abzuraten. Den für dieses Geld bekommt man eine solide Grundausstattung, die einen in den ersten Jahren auch viel Freude bereiten kann. Leidig leistungsorientierte Nachwuchssportler sollten sich überlegen einen etwas bequemeren Gurt zuzulegen (und diesen dann irgendwann um ein Federgewicht für die absolute Leistungsgrenze ergänzen) und damit auch das Set links liegen lassen sollten.
Kann man wirklich damit klettern?
Ja und nein, denn für eine wirkliche Grundausrüstung fehlen noch einige Teile. Das ist vor allem:
- ein Abseilachter, wenn man nicht ablassen werden kann
- mal noch ein oder zwei Karabiner mehr
- eine kleine Sammlung von Schlingen
- mindestens fünf Exen für den Vorstieg
- ein Paar für Anfänger geeignete Kletterschuhe
- ein Einfachseil
Und weil da schon einiges zusammenkommt, ist es gar nicht so einfach, das alle in den Händen zu tragen. Damit noch Platz bleibt die Brotzeit mit zu bringen empfehle ich einen soliden Rucksack!
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Kommentare von anderen Lesern (2)

















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Hey Gerhard,
angeschafft wurde wie von mir dann ein Petzl Gurt, genauer der Sama:
http://www.bergfreunde.de/klettern/klettergurte/hueftgurte/petzl+sama+klettergurt.html?pid=239
Der Zeptor ist bei den Bergfreunden weiterhin zu bekommen und wie gesagt für Gelegenheitsnutzer eine Überlegung wert:
http://www.bergfreunde.de/klettern/klettergurte/hueftgurte/ocun+zeptor+klettergurt.html?pid=239
Hallo, hat sich dein Freund den zeptor oder den Twist gekauft? Twist hat mal 59,95euro und zeptor (seit 2010 nicht mehr auEmdem markt) 54,95 Euro ( Einzel Preis).