Checkliste für die Outdoor- und Bergfotografie

Geschrieben am 22. Juli 2010 von . Dieser Artikel ist ein(e) Checkliste.

Titelbild der Foto Praxis 4/10

Titelbild der Foto Praxis 4/10

In der aktuellen Ausgabe (4/2010) der Foto Praxis findet sich auf den Seiten 40 und 41 ein Bericht, der viele meiner Ansichten zur Outdoor- und Bergfotografie wiedergibt. Der Artikel gefällt mir recht gut, auch wenn die Überschrift die Bergfotografie stärker als Thema vermuten lässt als es das war.

Eine Einschränkung möchte ich jedoch ausdrücklich machen: die Checklist zur Berg- und Outdoor-Fotografie habe ich nicht zusammengestellt. Mehr noch: ich kann dieser nicht 100%ig zustimmen und würde diese anders gestalten.

Anmerkungen zur Checkliste für die Bergfotografie

Die Checkliste

Die Checkliste

Mit Verlaub, aber der von der „Foto Praxis“ abgedruckten Checkliste Bergfotografie sieht man an, dass sie wahlweise ohne großem Sachverstand oder ohne Zeit zusammengeschustert wurde. Dass dort ernsthaft der Punkt „Kamera“ mit aufgenommen wurde, zeigt dies bereits sehr eindrucksvoll. Dem könnte ich jedoch auch noch uneingeschränkt zustimmen, ebenso wie den folgenden Punkten:

  • Kamera: ja richtig, ohne geht halt einfach mal nix
  • Ersatz-Akkus: ja, das ist lohnend…auf die Idee neben der Beleuchtung des Gipfelkreuzes auch eine Steckdose zu installieren ist bislang keiner gekommen.
  • Ersatz-Speicherkarte: wenn man das Ersatz i.S.v. zusätzliche versteht ja – man kann nie genug dabei haben

Kritikpunkte zur veröffentlichten Checkliste Bergfotografie

Es gibt dann jedoch noch eine Reihe von Punkten, die ich so nicht stehen lassen würde. Den Eintrag „Sonnenöl“ sehe ich einfach als bewussten Hinweis, dass die Liste nicht so ganz ernst gemeint ist und übergehe es darüber hinaus einfach. Auch den Eintrag Stativ lasse ich weitgehend unkommentiert. Dass dieses mehrheitlich wünschenswert ist, man mit der Auswahl jedoch oftmals eine große Herausforderung hat, ist selbsterklärend und wird im Test des Feisol Carbon-Reisestativ ebenfalls deutlich.

Die übrigen Punkte des Liste möchte ich dann doch kommentieren:

verschiedene lichtstarke Objektive (ideale Brennweite 85-135mm)

Mit Objektiven und dem Buzzword „lichtstark“ macht man in der Fotografie ja meist nichts falsch. Auch hier stimmt es natürlich…die sollten mit. Wieviele es sein müssen? Schwere Frage! Man wird sich immer einen Kompromiss erarbeiten müssen, der noch tragbar ist.

Tokina 11-16mm: willkommenes Weitwinkel

Tokina 11-16mm: willkommenes Weitwinkel

Anders sehe ich es bei der angegebenen Brennweiten. Zum einen wird ein Outdoorfotograf 85-135mm tendenziell in ein einzige Objektiv packen wollen. Zum anderen sind Brennweiten abseits des angegebenen Bereichs oftmals sinnig, notwendig oder gewünscht.

Ich habe seit ich es besitze immer ein Weitwinkel-Objektiv mit im Gepäck. Wer schon einmal gesehen hat, wie tief das Kletterbild wirkt, wenn man mit kurzen 11mm (bei mir jeweils mit Crop 1,5) abdrückt, der will es nicht mehr missen. Manchmal braucht man auch einfach die kurze Brennweite um alles drauf zu bekommen, was man haben möchte. Im umgekehrten Fall kenne ich einige Fotografen, die gerne mit langer Brennweite die Gipfel von Ihnen „zusammenschieben“ oder die 300mm voll ausnuzten um interessante Perspektiven oder Detailaufnahmen zu ermöglichen.

weiße Faltreflektoren

Ich mag diese Dinger – man baut sie auf, gibt sie einem Assistenten in die Hand und kann tolle Sachen damit realisieren! Nur auf eine Idee würde ich nie kommen: diese ins Backcountry oder die Berge mitzunehmen. Die Gründe hierfür sind:

  1. kleiner Sunbounce Reflektor

    kleiner Sunbounce Reflektor

    Das Packmaß eines Faltreflektors ist beachtlich – deren Gewicht nicht zu unterschätzen. Zwar hätte ich immer gerne einen Sunbounce im Gepäck – aber das ist i.d.R. nicht machbar.

  2. Reflektoren bringen bei Portraitaufnahmen viel und sind bei Makros manchmal ganz hilfreich. In der Landschaftsfotografie helfen sie wenig weiter. Die Mehrheit der Outdoor-Fotografen in meinem Verständnis sind jedoch häufig mit Landschaften konfrontiert.
  3. Outdoor-Fotografie und Bergfotografie sollen authentisch sein. Die Bilder leben wahlweise von toller Natur oder dem Augenblick. Sie werden nicht gestellt, sondern entstehen i.d.R. dann, wenn Menschen draußen aktiv sind. Versteht man Outdoor-Fotografie also analog der Reportage-Fotografie, sind Reflektoren fehl am Platz.
  4. Das Handling der Faltreflektoren lässt sich oft nur schwer mit Outdoor-Aktivitäten und Bergsport verbinden. Mir geht einfach nicht das Bild aus dem Kopf, wie neben einem Kletterer und Fotograf auch noch einige Assistenten mit großen Reflektoren in einer Wand hängen…das wäre sicher ein peinliches Chaos!

Requisitenkoffer

Evtl. ein Requisitenkoffer mit Rollen für den leichten Transport?

Evtl. ein Requisitenkoffer mit Rollen für den leichten Transport?

Ich erinnere: die Bergfotografie soll authentisch sein und nicht gestellte Bilder produzieren. Damit sind alle benötigten Requisiten ohnehin im Rucksack. Der Kocher wird eh vor dem Zelt ausgepackt, der Karabiner hängt ohnehin am Gurt und die Finger stecken auch ohne Show im Chalk. Alles was auf den Bilder zu sehen sein sollte, sollte auch in der Realität eine Funktion haben…

Zudem muss alles getragen werden – entlang Wegen, die oft schon ohne Fotoausrüstung beschwerlich sind. Da trägt gerne noch einen kantigen Requisitenkoffer mit sich umher. Wanderstöcke werden ohnehin überschätzt. Und fortgeschrittene Kletterer nehmen den besagten Koffer auch gerne mit in die Wand – neben dem Beautycase, der Abends im Hängezelt benötigt wird.

Mobile Festplatte

NEXTO eXtreme ND2700 Foto Tank 160GB

NEXTO eXtreme ND2700 Foto Tank 160GB

Ich stimme zu: ein mobiler Image Tank kann Sinn machen. So kann man die Speicherkapazität stark ausweiten oder die Daten redundant sichern. Wenn dann aber bitte einer, der auf Flashspeicher basiert, da Festplatten für den Outdoor-Einsatz zu empfindlich sind. Und man sollte genau hingucken: ist es nicht leichter, einen großen Satz Speicherkarten zu beschaffen? Hochwertige Karten wie die der SanDisk Extreme und Ultra Reihen haben mich bislang nie verlassen.

Versuch einer Annäherung an die gedrucke Checkliste

Wie unschwer zu erkennen ist, belächel ich die abgedruckte Checkliste und hoffe inständig, dass keiner der Leser auf die Idee kommt diese mit mir in Verbindung zu bringen. Auch die direkt daneben gedruckten Tipps zur „Planung der Aufnahme“ entsprechen nur bedingt meinem Verständnis der Berg- und Outdoor-Fotografie.

Vielleicht war aber auch nur jemand mit der Liste beauftragt, der meine Ansichten nicht teilt (auch wenn diese im usprünglichen Interview ausgiebig vorgestellt wurden). Mancherorts wird Outdoorfotgrafie für alles gleichgesetzt was nicht in befestigten Gebäuden stattfindet. Das beinhaltet dann eben auch ein Shooting im Park nebenan – wofür ein Requisitenkoffer Sinn machen kann. Im den Kontext der Bergfotografie ist die Liste jedoch nur schwerlich zu bringen.


Kommentare zum Artikel "Checkliste für die Outdoor- und Bergfotografie" (3)

 

  1. Hallo Sebastian,

    hast Du davon eventuell ein PDF? Der Artikel würde mich mal interessieren …

    Beste Grüße, Martin

    • @Martin: Ich werde mich bei Dir per E-Mail melden.
      Allgemein denke ich, dass es nicht fair wäre diesen Artikel hier als PDF zu veröffentlichen oder sonst irgendwie zu verteilen – die Zeitschrift ist aktuell in den Regalen erhältlich.

      • Danke für Deine Mail und das PDF.

        Der ganze Artikel wirkt etwas „zusammengeschustert“ – denn Bildauswahl und Text harmonieren auch nicht wirklich gut (Bilder: eher Landschaft, Text: eher Berge) … Naja, so sind sie, die Zeitungsmacher 🙂

        Allerdings würde ich, etwas entgegen Deiner Aussage hier im Blog-Beitrag, doch zur Mitnahme eines Bilddatenspeichers raten. Als zusätzliche Sicherung, um die Bilder zumindest 2x zu haben – mir sind die Speicherkarten auch noch nicht verreckt, anderen Fotografen schon …

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